Die Filialkirche zum heiligen Georg in Sommerholz besitzt einen neuen Blickfang. Ihr Kirchturm sollte wieder eine Uhr bekommen, wie sie schon einmal vorhanden war. Diesmal entschied man sich nicht für ein mechanisches Uhrwerk, sondern für eine Sonnenuhr. Am 4. Mai 2008, nach dem Festgottesdienst zum Sommerholzer Kirtag, wurde das neue Schmuckstück von Stadtpfarrer Dr. Michael Max gesegnet.
Die Freiwillige Feuerwehr Sommerholz ermöglichte die Anschaffung. Der Kirchenmaler Peter Maier aus Oberndorf übernahm die künstlerische Gestaltung und malte das Bild des heiligen Georg, des Patrons der Sommerholzer Kirche, auf die 1,5 m im Durchmesser große Aluminiumplatte, nachdem Johannes Greischberger die technischen Voraussetzungen geschaffen hatte. Der Gnomon, der Schattenstab, ist aus Nirosta gefertigt, seine Aluminiumspitze weist eine Blattvergoldung auf. Originell ist, dass der Gnomon nicht nur die Schattenlinie für die Zeitanzeige zeichnet, sondern zugleich die Lanze des Reitersoldaten St. Georg bildet, und das auch bei Schlechtwetter.
Die zwölf römischen Ziffern zeigen die mitteleuropäische Sommerzeit an, und zwar von sieben Uhr in der Früh bis sechs Uhr am Abend. Ablesbar ist die mitteleuropäische Sommerzeit, weil in den Sommermonaten die Sonnenscheindauer länger ist. Natürlich ist eine Sonnenuhr nicht Tag für Tag auf die Minute gleich genau, geringe Abweichungen ergeben sich durch die ellipsenförmige Bahn der Erde um die Sonne. Für eine Sonnenuhr braucht es strahlendes Licht, aber die Zeit zeigt uns der Schatten an. Licht und Schatten sind die zwei ständig in Bewegung bleibenden alltäglichen Begleiter des Menschen, das ewige Spiel von Licht und Schatten bestimmt den Ablauf unseres irdischen Lebens.
Die Sonnenuhr macht deutlich, dass die Zeit dahinstreicht wie der Schatten über die Ziffern. Die Sonnenuhr ist wie ein Zeigefinger, der uns mahnt, die Zeit gut zu nützen, denn der Zeiger auf der Lebensuhr rückt unaufhaltsam voran. Die Sonnenuhr vertraut einem Rhythmus, der nicht in unserer Hand ist; ihre Zeitansage kommt vom Himmel. Das drückt auch die Aufschrift aus, die von einem Glauben zeugt, der hoffnungsvoll in die Zukunft blickt: Christus gestern - Christus heute - Christus in Ewigkeit. Das sind die Worte, die der Priester spricht, wenn er in der Osternacht die Osterkerze segnet. Sie stammen vom Apostel Paulus aus dem 13. Kapitel des Hebräerbriefes und geben Hoffnung: Jesus Christus ist für uns da – er geht mit uns durch die Zeiten, er gestaltet die Zukunft.
Die Sonnenuhr am Sommerholzer Kirchturm ist mit ihrer hochwertigen Gestaltung ein faszinierendes Instrument der Zeitmesskunst, das dem formschönen Zwiebelturm einen besonderen Akzent verleiht. Franz Paul Enzinger