Von Neumarkt nach St. Wolfgang
Wie jedes Jahr am Pfingstmontag, so wurde auch heuer wieder in bewährter Weise die Fußwallfahrt an den Wolfgangsee abgehalten. Der hübsche Markt-flecken im Salzkammergut war im 15. und 16. Jahrhundert neben Rom und Aachen der bedeutendste Wallfahrtsort Europas. Obwohl ein ungünstiges Wetter vorhergesagt war, beteiligten sich heuer 85 Personen an diesem traditionsrei-chen Pilgergang. Der Großteil stammte aus dem Gemeindegebiet von Neumarkt am Wallersee, aber auch einige Wallfahrer aus den Nachbargemeinden Straß-walchen und Oberhofen hatten sich der Gruppe angeschlossen. Während früher das „Wolfganggehen“ primär eine Bauernwallfahrt war, sind heute die verschie-densten Berufe vertreten: von der Floristin zur Bankkauffrau, vom Computer-techniker zum Volksschuldirektor. Auch das Lebensalter der Teilnehmer/innen betreffend, gibt es eine breite Streuung von elfjährigen Schülerinnen bis zum 77jährigen Altbauern. Vorbeter und Wallfahrtsleiter war diesmal Ing. Georg Reitsamer, unterstützt wurde er von Johann Lindner. Aber auch ein Pionier der Neumarkter Fußwallfahrt, Lenzbauer Johann Windhager, ließ es sich als lang-jähriger Vorbeter nicht nehmen, auf der ersten Etappe bis Mondsee wieder dabeizusein. Die Pfingstmontagswallfahrt, die seit 400 Jahren belegt ist, wird als Drei-Orte-Wallfahrt organisiert: erstes Ziel ist die Wallfahrtskirche Maria Hilf am Mondseer Hilfberg, das zweite das Heiligtum auf dem Falkenstein bei St. Gilgen und schließlich die prächtige Wallfahrtskirche zum heiligen Wolfgang mit den Kunstschätzen von Michael Pacher, Meinrad Guggenbichler und Thomas Schwanthaler. Die Wegstrecke ist rund 35 Kilometer lang, und man ist von vier Uhr in der Früh bis 16.30 Uhr unterwegs.
Der heilige Wolfgang, von 972 bis 994 Bischof von Regensburg, wird als Wetterpatron verehrt („dass uns der Schauer nicht schaden kann“), aber auch um Fürbitte und Hilfe bei verschiedensten Anliegen, bei Haut- und Augenkrank-heiten, Gicht und anderen Leiden angerufen. Legenden betonen die heilkräftige Wirksamkeit dieses großen Heiligen.
Das „Wolfganggehen“ der Neumarkter, das für alle Beteiligten ein schönes religiöses Gemeinschaftserlebnis darstellt, ist ein markantes Beispiel dafür, dass Pilgern Tradition und Zukunft hat.
Bild: Vorbeter Johann Lindner, Hagingbauer Johann Schinwald (Jahrgang 1932), der älteste Pilger, der die ganze Strecke von Neumarkt bis St. Wolf-gang zu Fuß zurücklegte, Pfarrgemeinderatsobmann Prof. Franz Paul Enzinger und Wallfahrtsleiter Ing. Georg Reitsamer (v.l.n.r.)
Beitrag von Franz Paul Enzinger