Pestkapelle beim Herzog

Diese Kapelle hieß früher Uhrmetzger-Kapelle, weil sie der Neumarkter Bürger und Fleischhacker Johann Hörl, Metzger beim Uhrbogen (heute zwischen Stadtamt und Gasthof Gerbl), im Jahr 1715 erbauen ließ. Heute gehört sie der Familie Josef und Margarethe Herzog, Steinbachstraße 29. An der Straße, die den Stadtteil Lerchenfeld mit der Ortschaft Sighartstein verbindet, steht nach dem sogenannten Uhrmetzgergut in der Kurve vor der Druckerei Herzog am Hang zum Steinbach diese Pestkapelle. Hier führt auch der alte Kirchweg von Lengroid und Pfongau über den Breinberg zur Pfarrkirche Neumarkt.

Der annähernd quadratische (2,20 m breit und 2,50 m tief), verputzt und weiß gefärbelte Mauerbau mit offenem, segmentbogigem Vorbau ist mit einem Zeltdach gedeckt und wird von einem Kreuz bekrönt. Die Traufenhöhe beträgt 2 m, die Gesamthöhe 3,70 m. Der schützende, gemauerte Vorbau wurde erst 1960 an den alten Bildstock angefügt, nachdem der Maurerpolier Josef Herzog die Kapelle gründlich in Stand setzte. In diesem offenen Andachtsraum befinden sich zu beiden Seiten Sitzbänke an den Wänden.
In der mit einem Eisengitter verschlossenen, segmentbogigen Mauernische (Breite 80 cm, Höhe 90 cm, Tiefe 90 cm) befindet sich ein Gemälde, das dem Gnadenbild „Mariahilf“ von Lukas Cranach dem Älteren (1537 gemalt, heute im Dom St. Jakob in Innsbruck) nachempfunden ist. Das qualitätvolle Bild aus dem Jahr 1818 steht in der Tradition der Ikonen der Ostkirche und der Lukas. Bilder der römischen Kirche. Maria ist hier nicht als Himmelkönigin gemalt, sondern als Frau aus dem Volk, ohne majestätische Pose. Die Mutter-Kind-Beziehung ist innig gestaltet, der nackte, schutzbedürftige Jesusknabe schmiegt seine Wange an die der heiligen Maria.
Christus in der Gestalt eines Kindes wendet sich Schutz suchend Maria zu und streckt seine Hände nach Hals und Kinn der Mutter aus.
Diese umfasst zwar ihrerseits mit beiden Händen das Kind, drückt es voller Rührung und Zärtlichkeit an sich, blickt aber voller Demut über den Knaben hinweg auf den Betrachter, wissend um das Schicksal Christi und außerstande es abzuwenden. So wird das Jesuskind zu einem Sinnbild der Hilfe suchenden Menschheit, der – wie Jesus Christus – Leid und Tod vorausbestimmt sind. Maria aber nimmt mit dem Jesusknaben jeden einzelnen Gläubigen, der des himmlischen Schutzes bedarf, in ihre mütterlichen Arme. Der einfühlsame Betrachter kann sich der inneren Dynamik des Bildes nicht verwehren. Unterhalb der Mariahilf-Darstellung ist ein mit einem Kranz verziertes Oval gemalt, das drei arme Seelen im Fegefeuer zeigt. Der Künstler begnügte sich mit der bloßen Imitation des bekannten Gnadenbildes. Er fügte oben drei Engel und unten eine Fegefeuerszene hinzu. Diese Ergänzungen betonen zwei Rollen der Gottesmutter, jene der Himmelskönigin und jene der –Fürbitterin des Menschen bei Gott. Das Bild hat einen profilierten Holzrahmen, innen schmal vergoldet, der breite Außenrahmen ist blau marmoriert. Es weist die Jahreszahl 1818 auf.

Die vier Neumarkter Pestkapellen zeugen vom Glauben und von der Frömmigkeit vergangener Generation. Sie erinnern an die Schrecken der Krankheit, die unzählige Todesopfer forderte.

Quelle: Raststätte. Auf dem Weg mit Christus (2009). Eigenverlag des PGR Neumarkt am Wallersee

 

Die heilige Maria als Gottesmutter